{"id":33906,"date":"2025-07-01T10:16:31","date_gmt":"2025-07-01T08:16:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/arrachage-ou-protection-frontiere\/"},"modified":"2025-09-25T15:26:09","modified_gmt":"2025-09-25T13:26:09","slug":"ausreissen-oder-grenzschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/ausreissen-oder-grenzschutz\/","title":{"rendered":"Ausreissen oder Grenzschutz?"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00dcberall in der Schweiz stellt man das Gleiche fest: Der Weinbau steckt in einer Krise. Vor kurzem noch wurde in der Presse erw\u00e4hnt, dass die Einnahmen nicht kostendeckend sind (<a href=\"https:\/\/www.agrihebdo.ch\/articles\/vitiviniculture\/la-remuneration-de-la-recolte-couvre-difficilement-les-couts-36817\">Agri 30.05.2025<\/a>); als m\u00f6gliche L\u00f6sung wurde vorgeschlagen, Reben auszureissen (<a href=\"https:\/\/www.letemps.ch\/gastronomie-vin\/en-suisse-l-arrachage-de-vignes-n-est-plus-tabou-et-pourrait-devenir-realite\">Le Temps 28.05.2025<\/a>)\u2026 Diese Art, das Problem anzugehen, verschweigt aber den Hauptgrund f\u00fcr diese Krise sowie andere L\u00f6sungs-<br>m\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>In den meisten Artikeln wurden als Ursachen f\u00fcr die Krise mangelnder Nachwuchs sowie Abnahme des Weinkonsums angegeben. Diese Faktoren sind jedoch nicht der Hauptgrund f\u00fcr die Krise, sondern eher sekund\u00e4re Folgen; sie sind eine gravierende Verst\u00e4rkung des Hauptgrundes, n\u00e4mlich <strong>die Konkurrenz durch ausl\u00e4ndische Weine.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eZollkontingente&#8220; = Unlauterer Wettbewerb<\/h2>\n\n\n\n<p>Die \u00dcberlegungen (<a href=\"https:\/\/www.agrihebdo.ch\/articles\/vitiviniculture\/la-remuneration-de-la-recolte-couvre-difficilement-les-couts-36817\">Agri 30.05.2025<\/a>), dass \u201eZollkontingente&#8220; angeblich einen Grenzschutz darstellen, hinken, da sie auf falschen Voraussetzungen beruhen. Diese Zollkontingente verst\u00e4rken im Gegenteil den unlauteren Wettbewerb durch ausl\u00e4ndische Weine. Effektiv wird bis zur Aussch\u00f6pfung des Kontingents Wein zu tieferen Tarifen eingef\u00fchrt, dank deren der Schweizer Markt mit Wein zu indezenten Preisen \u00fcberschwemmt wird. Die Schweizer Winzer-innen k\u00f6nnen wegen den Produktionskosten (L\u00f6hne, Auflagen, Mieten, Versicherungen usw.) nicht dagegen ank\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zollkontingente sind deshalb absolut kein Schutz f\u00fcr die lokale Produktion; im Gegenteil, sie offerieren <strong>freie Fahrt auf den Schweizer Markt.<\/strong> Sie verst\u00e4rken den Druck auf die Preisspirale, weshalb f\u00fcr zahlreiche Winzer-innen ein Risiko besteht, ihre Betriebe schliessen zu m\u00fcssen. Bevor sich die Welthandels-organisation (Uruguay-Runde 1994) einmischte, gab es f\u00fcr landwirtschaftliche Produkte andere Arten von Kontingenten zur Unterst\u00fctzung der lokalen Produktion.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eMengenkontingente&#8220; = ein echtes Werkzeug zur Steuerung der landwirtschaftlichen Ressourcen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die beiden Kategorien <a href=\"https:\/\/www.la-vrille.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/250808-KontingenteTabelle.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eZollkontingent&#8220; und \u201eMengenkontingent&#8220;<\/a> werden h\u00e4ufig verwechselt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Zollkontingent: <\/strong>Wie der Name andeutet, handelt es sich um Zolltarife. Im Vergleich zum Grundtarif erhandelt man sich einen Vorzugspreis. Dies ist somit ein Anreiz, die Importe zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2022 <strong>Mengenkontingent:<\/strong> Die einzuf\u00fchrende Menge ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Konsumvolumen und der nationalen Produktion. Wenn die Produktion abnimmt \u2013 wegen klimatischen oder anderen Problemen \u2013, wird ein zus\u00e4tzliches Kontingent zugelassen, \u00fcber das jedoch im Parlament abgestimmt werden muss. Dies ist eine echte Steuerung der lokalen Ressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Welthandelsabkommen von 1994 haben die Schweiz gezwungen, die Mengen \u2013 durch Zollkontingente zu ersetzen. Seit diesem Zeitpunkt verliert die lokale Produktion st\u00e4ndig Marktanteile, w\u00e4hrend man gleichzeitig eine Abnahme des globalen Weinkonsums feststellen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Falsche L\u00f6sungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist sicherlich notwendig, die genehmigten Budgets f\u00fcr Weinwerbung zu erh\u00f6hen, aber dies ist nur ein kleines Wundpflaster im Vergleich zu den Betr\u00e4gen, mit denen unsere Nachbarl\u00e4nder die Werbung f\u00fcr ihre Weine in der Schweiz unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Senkung der Produktionsquoten oder das Ausreissen von Reben zur Einschr\u00e4nkung der Produktion sind keine positiven oder nachhaltigen Massnahmen. Die Winzer-innen, die bereits ziemlich leiden, werden noch st\u00e4rker belastet und die jungen Generationen entmutigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schweizer Weinproduktion deckt nur ein Drittel des Weinkonsums. Angesichts dieser Tatsache gibt es keinen Grund, unsere Reben auszureissen. Wir pflegen unsere Rebberge und produzieren Qualit\u00e4tsweine, wir kultivieren Trauben und gute Stimmung, wir pflegen unsere Weine durch unser Knowhow und unsere Kunden mit unserer Lebensart. Es handelt sich nicht nur um die Unterst\u00fctzung eines Konsumgutes, sondern auch die einer Kultur und des Erbes unserer Vorfahren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr einen echten Schutz an der Grenze<\/h2>\n\n\n\n<p>Um weiterhin gute Qualit\u00e4tsweine produzieren zu k\u00f6nnen, muss man <strong>mit Mengenkontingenten wieder einen wirksamem Grenzschutz einf\u00fchren. <\/strong>Dies bedeutet jedoch, dass die Schweiz erneut mit der Welthandelsorganisation \u00fcber die Abkommensbedingungen diskutieren muss.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die unmittelbare Zukunft gibt es eine erste Massnahme, die rasch eingef\u00fchrt werden kann: <strong>Zuteilung von Importrechten nur an H\u00e4ndler, die sich daf\u00fcr einsetzen, auch Schweizer Weine zu verkaufen. <\/strong>Eine solche Massnahme wurde vom Bundesrat bereits 2014 f\u00fcr den Fleischmarkt genehmigt; wir bitten nun, dass sie auch f\u00fcr Wein eingef\u00fchrt wird. Wir verlangen, dass die Zollkontingente gem\u00e4ss Beitrag zur Schweizer Produktion zugeteilt werden. Man muss die Importeure anspornen, Schweizer Weine zu verkaufen, um den lokalen Markt zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einf\u00fchrung dieser Schutzmassnahme h\u00e4ngt nur vom guten Willen unserer eidgen\u00f6ssischen Beh\u00f6rden ab. Sie zeigen sich bereit f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von <em>\u201ekurzen Wirtschaftskreisl\u00e4ufen, kurzen Distanzen, der Verk\u00fcrzung des Transports, der Aufrechterhaltung des Knowhows, des Unterhalts der Landschaft, usw., usw.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir m\u00fcssen mit dem Reden aufh\u00f6ren und uns aktiv einsetzen.<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schweizerische Vereinigung der Selbsteinkellernden Weinbauern<\/em><br>SVSW\/ASVEI &#8211; <a href=\"https:\/\/asvei.ch\/DE\/artikel_Grenzschutz-250627.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">asvei.ch<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns has-background is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\" style=\"background-color:#f8f3fa\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p><strong><br><strong>Links<\/strong>:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em><a href=\"https:\/\/www.la-vrille.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/250808-KontingenteTabelle.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Tarif- und Mengenkontingente<\/a><\/em><a href=\"https:\/\/www.la-vrille.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/250808-KontingenteTabelle.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">: Vergleichende Tabelle<\/a> &#8211; La Vrille 08.2025<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.letemps.ch\/gastronomie-vin\/en-suisse-l-arrachage-de-vignes-n-est-plus-tabou-et-pourrait-devenir-realite\">&#8222;L&#8217;arrachage de vignes n&#8217;est plus tabou&#8220;<\/a> &#8211; Gr\u00e9goire Baur &#8211; Le Temps 28.05.25<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.agrihebdo.ch\/articles\/vitiviniculture\/la-remuneration-de-la-recolte-couvre-difficilement-les-couts-36817\">&#8222;La r\u00e9mun\u00e9ration de la r\u00e9colte couvre difficilement les co\u00fbts&#8220; <\/a>&#8211; Pierre-Andr\u00e9 Cordonier &#8211; Agri 30.05.25<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.rts.ch\/play\/tv\/19h30\/video\/les-vignerons-suisses-reclament-des-mesures-face-a-la-concurrence-etrangere?urn=urn:rts:video:c0234706-3099-32c7-a479-33dd183af607\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;Les vignerons suisses r\u00e9clament des mesures face \u00e0 la concurrence \u00e9trang\u00e8re&#8220;<\/a> &#8211; 19h30 &#8211; RTS 03.07.2025<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberall in der Schweiz stellt man das Gleiche fest: Der Weinbau steckt in einer Krise. Vor kurzem noch wurde in der Presse erw\u00e4hnt, dass die Einnahmen nicht kostendeckend sind; als m\u00f6gliche L\u00f6sung wurde vorgeschlagen, Reben auszureissen\u2026 Diese Art, das Problem anzugehen, verschweigt aber den Hauptgrund f\u00fcr diese Krise sowie andere L\u00f6sungs-<br \/>\nm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":33142,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[71],"tags":[54,88,91,77],"class_list":["post-33906","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","tag-agrarpolitik","tag-freihandel","tag-konkurrenzverzerrung","tag-ressourcen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33906","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33906"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33906\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33915,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33906\/revisions\/33915"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}