{"id":34248,"date":"2025-11-26T16:57:59","date_gmt":"2025-11-26T15:57:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/democratie\/"},"modified":"2025-12-20T14:00:39","modified_gmt":"2025-12-20T13:00:39","slug":"demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/demokratie\/","title":{"rendered":"Die Demokratie"},"content":{"rendered":"\n<p>In einer Zeit, in der alles auf mehr wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit, immer umfassendere Handelsabkommen und komplexe technokratische Mechanismen hinauszulaufen scheint, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, was die wahre St\u00e4rke unseres Landes ausmacht: unsere F\u00e4higkeit, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, und unsere Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung f\u00fcr die Entscheidungen, die unsere Zukunft gestalten, zu \u00fcbernehmen. Die Schweiz ist nicht perfekt, aber sie verf\u00fcgt \u00fcber ein in Europa einzigartiges demokratisches und soziales Potenzial \u2013 ein Modell, das beneidet, kopiert und kommentiert, aber selten erreicht wird. Dieses Modell ist jedoch nur dann stark, wenn es lebendig ist. Und genau hier liegt unsere Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine aussergew\u00f6hnliche Demokratie\u2026 doch es fehlt die Lebendigkeit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wir haben das Gl\u00fcck, Folgendes zu haben:<br>\u2022 das Recht auf Volksinitiativen,<br>\u2022 das Recht auf Referenden,<br>\u2022 Subsidiarit\u00e4t<sup><a href=\"#notes\">1<\/a><\/sup> bis hinunter auf Dorfebene,<br>\u2022 Kollegialit\u00e4t,<br>\u2022 systematische Konsultation der betroffenen Kreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Handvoll Instrumente, die die Macht in die H\u00e4nde der Bev\u00f6lkerung legt. Aber diese Kraft schw\u00e4cht sich ab, wenn wir sie nicht nutzen: Bei einigen eidgen\u00f6ssischen Abstimmungen, insbesondere auf lokaler Ebene, sank die Wahlbeteiligung auf rund 28 %, w\u00e4hrend der Durchschnitt der eidgen\u00f6ssischen Abstimmungen laut BFS<sup><a href=\"#notes\">2<\/a><\/sup> bei 45\u201347 % liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist eine Demokratie, in der sich nur eine Minderheit zu Wort meldet, noch eine echte Demokratie?<br>Wir verf\u00fcgen \u00fcber ein aussergew\u00f6hnliches System, aber wir nutzen es nicht mehr ausreichend.<br>Es geht also nicht nur darum, unser Modell zu \u00abbewahren\u00bb: Wir m\u00fcssen es weiterentwickeln, es integrativer, verst\u00e4ndlicher und begeisternder gestalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was wir f\u00f6rdern m\u00fcssen: Teilhabe, Solidarit\u00e4t, Souver\u00e4nit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Anstatt uns st\u00e4ndig auf die Anpassung an externe wirtschaftliche Zw\u00e4nge zu konzentrieren, sollten wir dem, was wir bereits haben, neuen Schwung verleihen:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Eine Bev\u00f6lkerung, die versteht, wie die Gesellschaft funktioniert<\/h3>\n\n\n\n<p>Es reicht nicht mehr aus, alle paar Wochen Wahlunterlagen zu verteilen.<br>Wir brauchen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>politische Bildung schon in der Schule,<\/li>\n\n\n\n<li>lokale Debatten,<\/li>\n\n\n\n<li>unabh\u00e4ngige und zug\u00e4ngliche Medien,<\/li>\n\n\n\n<li>R\u00e4ume, in denen wir uns die gesellschaftlichen Herausforderungen wieder zueigen machen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Eine Demokratie lebt nicht von selbst: Sie lebt durch diejenigen, die sie n\u00e4hren. Und La Vrille tut dies auf seine Weise.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Echte Verhandlungshoheit<\/h3>\n\n\n\n<p>Als kleines Land liegt unsere St\u00e4rke in unserer F\u00e4higkeit, frei zu verhandeln, abzulehnen, was uns schadet, und anzunehmen, was uns st\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies setzt voraus, dass die Schweiz in der Lage ist:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Nein zu sagen, wenn ein Abkommen die direkte Demokratie gef\u00e4hrdet,<\/li>\n\n\n\n<li>ihr Sozialmodell zu verteidigen,<\/li>\n\n\n\n<li>einen fairen Handel einem rein kommerziellen Handel vorzuziehen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der soziale Zusammenhalt in der Schweiz ist \u2013 trotz seiner Unvollkommenheiten \u2013 nach wie vor einer der besten weltweit.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser Verbundenheit sollten wir Sorge tragen, und nicht zulassen, dass sie durch Freihandelsabkommen, im Namen eines grenzenlosen Wachstums, geschw\u00e4cht wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Ein lebendiges lokales Netzwerk<\/h3>\n\n\n\n<p>Unsere Gemeinden, Vereine, Handwerker*innen, Produzent*innen und KMU: Das ist die reale Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist, was gesch\u00fctzt und gest\u00e4rkt werden muss. Wir m\u00fcssen verhindern, dass dieses Gef\u00fcge unter dem Druck eines globalisierten Wettbewerbs, der soziale und \u00f6kologische Aspekte ausser Acht l\u00e4sst, zermalmt wird. Was wir wollen: Lust auf Mitwirken wecken. Die demokratische Zukunft wird niemals durch Angst aufgebaut werden. Sie wird durch Begeisterung, Neugier und Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl aufgebaut. Unsere Priorit\u00e4t besteht heute nicht darin, Wirtschaftsabkommen abzuschliessen, die unseren politischen Handlungsspielraum einschr\u00e4nken k\u00f6nnten. Unsere Priorit\u00e4t ist es, die Lust auf Demokratie wieder zu wecken. Den Menschen wieder motivieren, sich an Wahlen zu beteilen. Bei allen wieder die Freude zu wecken, die Mechanismen zu verstehen, die die Gesellschaft pr\u00e4gen und damit den gemeinsamen Entscheidungswillen wieder zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Demokratie vor den Abkommen sch\u00fctzen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Mehrere aktuelle Entw\u00fcrfe internationaler Abkommen zielen darauf ab, den Handel zu vereinfachen und die Wirtschaft anzukurbeln.<br>Aber zu welchem Preis?<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Weniger Entscheidungsfreiheit.<\/li>\n\n\n\n<li>Mehr Verpflichtungen, uns an externe Normen anzupassen.<\/li>\n\n\n\n<li>Druck zur Deregulierung, zu mehr Beschleunigung und Standardisierung.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine zunehmende Abh\u00e4ngigkeit von den Interessen der grossen Exportunternehmen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das ist nicht das, was wir brauchen. Wir wollen keine weiteren Abkommen, die unseren demokratischen Spielraum einschr\u00e4nken. Sondern wir wollen mehr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die die Demokratie lebendig erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine starke Schweiz aufzubauen bedeutet, das Beste, was wir bereits haben, zu st\u00e4rken. Die Frage lautet also nicht: \u00abWas m\u00fcssen wir aufgeben, um wettbewerbsf\u00e4hig zu sein?\u00bb, sondern: Wen oder was m\u00fcssen wir pflegen, um souver\u00e4n, geeint und solidarisch zu bleiben? Die Antwort l\u00e4sst sich in einem Wort zusammenfassen: uns selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit: unsere Demokratie, unsere Mitwirkung, unser kollektiver Wille, unser Sozialmodell, unsere Entscheidungsautonomie.<br>Das ist es, was gesch\u00fctzt, weiterentwickelt, gefeiert und weitergegeben werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum wir gegen die Bilateralen III sind<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wir verteidigen unser demokratisches Modell auch deshalb so vehement, weil die geplante neue Reihe bilateraler Abkommen genau das bedroht, was wir bewahren wollen. Diese Abkommen verfolgen in erster Linie ein wirtschaftliches Ziel: den Handel zu erleichtern, Normen zu vereinheitlichen und Verfahren zu beschleunigen. Hinter diesen Versprechungen der Effizienz verbergen sich jedoch Werteverluste auf Kosten der Demokratie, die wir nicht akzeptieren wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilateralen III bedeuten de facto einen Verlust an Souver\u00e4nit\u00e4t, da sie die automatische \u00dcbernahme von anderswo beschlossenen Regelungen vorschreiben, zum Vorteil kommerzieller Interessen, die weder unsere sozialen Besonderheiten noch unsere Umweltanforderungen oder unser Modell der direkten Demokratie ber\u00fccksichtigen. Sie legt mehr Macht in die H\u00e4nde der grossen Exportunternehmen, zum Nachteil der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, der Handwerkerinnen und Handwerker, der Gemeinden und unseres lokalen Wirtschaftsgef\u00fcges.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem schw\u00e4chen diese Abkommen die Entscheidungsf\u00e4higkeit der Schweizer Bev\u00f6lkerung\u2013 obwohl wir genau diese Macht st\u00e4rken wollen. Wie k\u00f6nnen wir wieder Lust auf demokratische Teilhabe wecken, wenn wir gleichzeitig unsere wesentlichen Kompetenzen an Instanzen \u00fcbertragen, die hier niemandem Rechenschaft schuldig sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Verteidigen wir das, was die St\u00e4rke der Schweiz ausmacht: lokale Solidarit\u00e4t, unsere Souver\u00e4nit\u00e4t, unabh\u00e4ngige Verhandlungen, lebendige Demokratie. Lehnen wir konsequent einen Weg ab, der uns von diesen Grunds\u00e4tzen entfernt. Unsere Zukunft liegt nicht in einer verst\u00e4rkten Abh\u00e4ngigkeit von auferlegten Handelsregeln, sondern in einer wiederbelebten, partizipativen Demokratie, die sich ihrer Entscheidungen bewusst ist und diese vollst\u00e4ndig selbst bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>La Vrille<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"notes\">Fussnoten&nbsp;:<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Subsidiarit%C3%A4t\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Definition der Subsidiarit\u00e4t <\/a>&#8211; Wikipedia<br>2. <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/politik\/abstimmungen\/stimmbeteiligung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stimmbeteiligung<\/a> &#8211; Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist nicht perfekt, aber sie verf\u00fcgt \u00fcber ein in Europa einzigartiges demokratisches und soziales Potenzial \u2013 ein Modell, das beneidet, kopiert und kommentiert, aber selten erreicht wird. Dieses Modell ist jedoch nur dann stark, wenn es lebendig ist. Und genau hier liegt unsere Verantwortung.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":34029,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[71],"tags":[122,75,62],"class_list":["post-34248","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","tag-bilaterales-iii-de","tag-know-how","tag-sozialgefuege"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34248"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34276,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34248\/revisions\/34276"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34029"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.la-vrille.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}